Biketest: BIONICON „Reed & Alva“

Last but not least nehme ich drei Modelle der innovativen Bikeschmiede Bionicon unter die Lupe. Allem vorweg kann ich einen Besuch im Bionicon Democenter in Biel nur empfehlen. Angeboten werden eine gute Beratung, grosse Auswahl, familiäre Stimmung und abwechslungsreiche Trails am Jura.

Die Specs:
Gefahren habe ich das Reed 140, Alva 160 und etwas später, aber dafür umso länger das Alva 180.

1. Reed 140 (Air)
Rahmen: M gelb/schwarz
Gabel: Bionicon Doubleagent (G2 15mm, gravilube 70-150mm)
Dämpfer: X-Fusion O2 RLX (140mm)
Schaltung: SRAM X9
Bremsen: Avid Elixir CR Matchmaker
Gewicht: ca. 13.2 kg
Händler: Velofabrik Zürich
Berater: Lucas Braun (SalesBusters Biel)

Preis: ab CHF 4990.-
(siehe auch: Bionicon Reed 140)

2. Alva 160 (Air)
Rahmen: M weiss/wood
Gabel: Bionicon Doubleagent (G2 15mm, gravilube 80-160mm)
Dämpfer: X-Fusion O2 RLX (160mm)
Schaltung: SRAM X9
Bremsen: Avid Elixir CR Matchmaker
Gewicht: ca. 13.5 kg
Händler: Velofabrik Zürich
Berater: Lucas Braun (SalesBusters Biel)

Preis: ab CHF 5090.-
(siehe auch: Bionicon Alva 160)

3. Alva 180 (Air)
Rahmen: L grün
Gabel: Bionicon Doubleagent (G2 20mm, 90-180mm)
Dämpfer: X-Fusion O2 RLX (180mm)
Schaltung: SRAM X9 + Truvativ Stylo 36/22
Bremsen: Avid Elixir CR Matchmaker
Gewicht: ca. 14.6 kg
Händler: Velofabrik Zürich

Preis: ab CHF 5190.-
(siehe auch: Bionicon Alva 180)

Teststrecken:
Die ersten beiden Bikes begleiten mich auf einem Ausritt auf dem Bözingenberg (Jura) direkt ab dem Democenter. Das Alva 180 nehme ich auf die Tour „Biberbrugg-Zürich“ mit.

Erste Impressionen:
Während dem Mailverkehr wird bereits deutlich, dass bei Bionicon grossen Wert auf einen guten und kundennahen Service gelegt wird. Mike wie auch Lucas von SalesBusters (Generalimporteur von Bionicon in der Schweiz) beantworten meine Anfragen prompt und ausführlich. Als ich schliesslich für einen Testtag nach Biel reise, werde ich nicht nur Sonntags empfangen, sondern auch gleich persönlich am Bahnhof abgeholt und auf den Bözingenberg chauffiert.


Das Reed 140 auf dem Bözingenberg

Der Aufstieg:
Als erstes Bike ist das Reed 140 am Start. Wie Lucas meint, die neue Wunderwaffe der innovativen, deutschen Bikeschmiede. Als erstes interessiert mich natürlich brennend die bioniconeigene Möglichkeit die gesamte Geometrie des Bikes zu verstellen, um je nach Wunsch komfortabler bergauf oder dann sicherer bergab zu fahren. Es ist verblüffend, wie weit sich die Gabel absenken lässt und wie stark das Fahrverhalten des Bikes dadurch beeinflusst wird. Senkt man das Bike zu weit ab (und das ist ohne weiteres möglich), so beschleicht einem das Gefühl an Ort und Stelle zu treten; was an sich keine gute Eigenschaft ist. Doch wird die Einstellung per Knopfdruck am Lenker wieder leicht ausgeglichen, ist es nicht schwer zu erfühlen, ab wann das Bike die optimale Neigung für die jeweilige Steigung hat.

Noch am selben Tag jage ich das Alva 160 über die gleiche Strecke, um die Unterschiede zum Reed 140 zu ertasten. Spontan scheint mir dieses Modell agiler, und bei den ersten Bunny-Hopps über Wurzeln und Steine fühlt es sich auch deutlich stabiler und insgesamt ausgeglichener an. Bergauf stelle ich bezüglich dem grösseren Federweg keine Unterschiede und darum auch keine Nachteile fest. Trotz seinen 160mm Federweg klettert das Bike agil über Stock und Stein.

Zur Testfahrt mit dem Alva 180 Air komme ich unverhofft. Um aber das Ende und Fazit dieses Berichts nicht vorwegzunehmen, lasse ich die Erklärung vorerst weg. Gefahren bin ich dieses Vollblut-Enduro mit Freeridequalitäten an Pfingsten für 50km von Biberbrugg bis Zürich. Das Bike unterscheidet sich von den beiden zuvor gefahrenen Fullys nicht nur durch den deutlich grösseren Federweg, sondern auch durch total andere Fahreigenschaften. Auch wenn man mit der Geometrieverstellung die Klettereigenschaften dieses Bikes verbessern kann, ist auf langen Anstiegen Leiden angesagt.


Das getestete Alva 160 noch mit der alten Doubleagent-Gabel. Heute kommen alle Modelle mit einer Steckachse

Die Abfahrt:
Das Reed 140 ist eher wie ein Marathon, denn ein All Mountain Bike geschnitten. Die sportliche Sitzstellung verspricht guten Vortrieb bergauf und auf holprigen Geraden. Auf schnellen Abfahrten schlucken die 150mm Federweg zuverlässig, was dieses Bike tatsächlich sozusagen zum Alleskönner macht.

Doch das Alva 160 hat schliesslich für mich die Nase vorn. Es scheint mir ein ausgereifteres Bike. Es ist etwas ruhiger bergab und genauso emsig bergauf. Das Plus an Federweg stört kein bisschen im Aufstieg, und die aufrechtere Sitzposition vermittelt mehr Sicherheit auf steinigen Abfahrten. Etwas schade ist, dass am Hinterbau Kettenschlagen an der unteren und oberen Rahmenstange auftreten kann. Die neue Bionicon Kettenführung hilft, aber die obere Stange muss danach immer noch zusätzlich geschützt werden.

Und nun zum Alva 180 Air: In der Abfahrt, wie wäre es anders zu erwarten, spielt es in einer eigenen Liga. Egal wie steil die Strecke und wie eng die Steilwandkurven, dieses Bike fährt wie auf Schienen. Was man bergauf gelitten hat, holt man folglich im Downhill an Spass wieder zurück. Etwas unangenehm aufgefallen ist jedoch, dass es nach holprigen Passagen und danach abrupter Beschleunigung machmal die Kette vorne hochzieht sowie zwischen Truvativkurbel und Rahmen einklemmt. Interessanterweise blockiert dann die Kette aber nicht, sondern schleift den Lack vom Rahmen ab.


Peter mit dem Alva 180 kurz nach dem Gottschalkenberg mit Sicht auf Zürich (Foto: Ken)

Vergleich zu den zuvor getesteten Bikes:
Im letzten Test liessen sich z.B. die Eigenschaften von Fox- und Rockshoxgabeln wie auch –dämpfern sehr gut vergleichen. Doch dieses Mal scheinen mir die Unterschiede um einiges Grösser, wenn nicht sogar fundamental.
Keines der zuvor getesteten Bikes konnte seine Geometrie so stark verändern. Wenn, dann liess sich die vordere Gabel um wenige cm absenken, was aber schon das Höchste der Gefühle war. Dies ist jedoch nicht der einzige Vorteil der Bionicon Bikes. Die Doubleagent-Gabel ist gefühlt deutlich steifer und bringt die Kraft direkter auf den Trail als alle anderen Konstruktionen. Obschon die Bionicon Fullys mit der „Doppelgabel“ und dem robusten Aufbau eher schwer aussehen wie auch schwerfällig wirken, halten alle Modelle in Gewicht und Agilität mit den anderen getesteten Bikes locker mit. Einzig der Preis, welcher mit der Qualität und dem Serviceangebot durchaus gut korreliert, kann mit dem der Price Bikes nicht mithalten.


Die Aussicht von der Hirzel Höhe

Fazit:
Das Fazit liegt sozusagen auf der Hand. Es überrascht darum auch nicht, dass ich mich schlussendlich für den Kauf eines Alva 160 entschieden habe. Bionicon stellt meiner Meinung nach momentan die innovativsten All Mountain-Bikes auf den Markt und das, gemessen an Qualität sowie Serviceleistung, zu einem fairen Preis.

Nachtrag:
Und nun noch rasch zurück zum unerhofften Alva 180 Air Testride. Da mein bestelltes Alva 160 nicht wie angekündigt in spätestens zwei Wochen bei der Velofabrik in der Filiale stand, hat man mir freundlicherweise das Alva 180 als Ersatz und Übergangslösung angeboten, was das Warten um einiges erleichtert hat.

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